Moderne Wärmepumpen sind eine etablierte Heizlösung, die auch bei niedrigen Außentemperaturen effizient Wärme liefern kann. Dennoch gibt es Szenarien, insbesondere in Bestandsgebäuden mit höherem Wärmebedarf oder bei extremen Frostperioden, in denen die Wärmepumpe allein an ihre Leistungsgrenzen stößt. In solchen Fällen kann der bivalente Betrieb eine sinnvolle Strategie sein, um den Heizkomfort zu gewährleisten und die Betriebssicherheit zu erhöhen. Dieser Artikel beleuchtet, wann und wie Sie Ihre Wärmepumpe im Winter durch einen zweiten Wärmeerzeuger ergänzen können und welches Zubehör dabei von Nutzen ist.

Bivalenter Betrieb: Wenn die Wärmepumpe Unterstützung braucht

Der bivalente Betrieb beschreibt das Zusammenspiel von zwei unterschiedlichen Wärmeerzeugern in einem Heizsystem. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen ist dies besonders im Winter relevant, da deren Effizienz, gemessen an der Leistungszahl (COP), mit sinkenden Außentemperaturen abnimmt. Während eine gut dimensionierte Wärmepumpe bei einer Außentemperatur von +7°C einen COP von 4 oder mehr erreichen kann, sinkt dieser Wert bei -10°C oft auf 2,5 bis 3. Das bedeutet, dass die Wärmepumpe mehr elektrische Energie benötigt, um dieselbe Wärmemenge zu erzeugen. Gleichzeitig steigt der Heizbedarf des Gebäudes bei sinkenden Temperaturen an.

Die Grenze, ab der eine Wärmepumpe den Wärmebedarf des Gebäudes nicht mehr alleine decken kann oder dies unwirtschaftlich wird, bezeichnet man als bivalenten Punkt. Unterhalb dieses Punktes springt der zweite Wärmeerzeuger ein. Ziel ist es, die Wärmepumpe in ihrem optimalen Temperaturbereich zu betreiben und Spitzenlasten oder Perioden extremer Kälte durch das Zusatzsystem abzufangen. Dies ermöglicht eine kleinere und somit potenziell kostengünstigere Dimensionierung der Wärmepumpe, ohne auf Heizkomfort verzichten zu müssen. Die Entscheidung für oder gegen einen bivalenten Betrieb hängt von mehreren Faktoren ab: dem Dämmstandard des Gebäudes, der Auslegung der Wärmepumpe, dem lokalen Klima und den Energiekosten für Strom und den Brennstoff des zweiten Wärmeerzeugers.

Den bivalenten Punkt bestimmen: Wann der zweite Wärmeerzeuger einspringt

Die korrekte Definition des bivalenten Punktes ist entscheidend für einen effizienten und wirtschaftlichen bivalenten Betrieb. Er kann entweder monovalent-parallel oder bivalent-alternativ gewählt werden.

  • Bivalent-parallel: Bei dieser Betriebsweise arbeiten beide Wärmeerzeuger (Wärmepumpe und Zusatzheizung) parallel, sobald die Außentemperatur unter den bivalenten Punkt fällt. Die Wärmepumpe deckt weiterhin einen Teil der Grundlast, während das Zusatzsystem die Spitzenlast übernimmt. Dieser Punkt liegt oft zwischen -2°C und -7°C, abhängig von der Auslegung der Wärmepumpe und dem Heizbedarf. Der Vorteil ist, dass die Wärmepumpe länger in Betrieb bleibt und so die Gesamteffizienz des Systems hochgehalten werden kann.
  • Bivalent-alternativ: Hier übernimmt der zweite Wärmeerzeuger die komplette Wärmeerzeugung, sobald die Außentemperatur den bivalenten Punkt unterschreitet. Die Wärmepumpe schaltet sich komplett ab. Dieser Punkt wird in der Regel bei sehr niedrigen Temperaturen angesetzt, etwa zwischen -5°C und -10°C, wenn die Effizienz der Wärmepumpe stark abfällt und der Betrieb als unwirtschaftlich gilt.

Die genaue Bestimmung des bivalenten Punktes erfordert eine Heizlastberechnung des Gebäudes und eine Leistungsanalyse der Luftwärmepumpen im unteren Temperaturbereich. Ein Fachbetrieb kann diesen Wert präzise ermitteln. In der Praxis wird oft ein Kompromiss gewählt, der die Investitionskosten für die Wärmepumpe minimiert, ohne die Betriebskosten durch zu häufigen Einsatz des ineffizienteren Zweitwärmeerzeugers unnötig zu erhöhen. Moderne Regelungstechnik kann den bivalenten Punkt dynamisch anpassen, beispielsweise basierend auf Strompreisen oder der Verfügbarkeit von selbst erzeugtem Strom.

Zweite Wärmeerzeuger im Detail: Heizstab, Gastherme, Kaminofen

Für den bivalenten Betrieb stehen verschiedene Optionen als zweiter Wärmeerzeuger zur Verfügung, die jeweils Vor- und Nachteile mit sich bringen:

Elektrischer Heizstab (Widerstandsheizung)

Der elektrische Heizstab ist die häufigste und einfachste Form der Zusatzheizung für Wärmepumpen. Viele Geräte verfügen bereits über einen integrierten Heizstab, der bei Bedarf automatisch zugeschaltet wird. Seine Vorteile liegen in der geringen Investition, der einfachen Integration und der schnellen Verfügbarkeit. Der Nachteil ist die geringe Effizienz: Ein Heizstab wandelt elektrische Energie nahezu 1:1 in Wärme um, hat also einen COP von etwa 1. Das ist deutlich weniger effizient als der Betrieb einer Wärmepumpe, selbst bei Minusgraden. Daher sollte der Heizstab nur in Ausnahmefällen und für kurze Zeiträume zum Einsatz kommen, um die Spitzenlast abzudecken. Ein unnötiger Dauerbetrieb des Heizstabs kann die Stromkosten erheblich steigern. Eine intelligente Steuerung, oft über Smart Thermostate oder die Wärmepumpenregelung selbst, ist hier essenziell, um den Einsatz auf das notwendige Minimum zu begrenzen.

Bestehende Gas- oder Ölheizung

In Bestandsgebäuden, die von einer fossilen Heizung auf eine Wärmepumpe umgerüstet werden, bietet sich oft die Beibehaltung der alten Gas- oder Öltherme als zweiter Wärmeerzeuger an. Dies ist eine kostengünstige Lösung, da die Infrastruktur bereits vorhanden ist. Der brennstoffbasierte Wärmeerzeuger springt dann unterhalb des bivalenten Punktes ein. Die Steuerung muss gewährleisten, dass die Wärmepumpe vorrangig arbeitet, solange dies effizient ist. Der Vorteil ist die hohe Heizleistung und die Unabhängigkeit von Strompreisschwankungen für den Spitzenlastbereich. Nachteilig sind die weiterhin anfallenden Emissionen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Die Kombination kann jedoch eine Übergangslösung darstellen, bis eine vollständige Dekarbonisierung möglich ist.

Kamin oder Kaminofen

Ein Kamin oder Kaminofen kann als dritter Wärmeerzeuger in einem bivalenten System dienen, meist jedoch nicht automatisch gesteuert. Er bietet eine atmosphärische und oft kostengünstige Ergänzung, insbesondere wenn Holz aus eigener Quelle oder günstig bezogen werden kann. Ein wasserführender Kaminofen lässt sich sogar in das Heizsystem integrieren und kann so direkt zur Warmwasserbereitung oder Heizungsunterstützung beitragen. Dies erfordert jedoch manuellen Aufwand und ist eher für längere, kalte Perioden oder zur Reduzierung des Spitzenlastbedarfs gedacht, nicht für das automatische Abfangen kurzfristiger Temperaturschwankungen. Die Primärfunktion bleibt die Raumbeheizung im Aufstellungsraum, eine systemische Entlastung der Wärmepumpe ist eher ein willkommener Nebeneffekt.

Sinnvolles Zubehör für den optimierten bivalenten Winterbetrieb

Um den bivalenten Betrieb effizient und störungsfrei zu gestalten, ist spezielles Wärmepumpen Zubehör von Bedeutung, das besonders im Winter die Funktionssicherheit erhöht:

  • Kondenswannenheizung: Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen bildet sich an der Außeneinheit Kondenswasser, das bei Minusgraden gefrieren kann. Eine beheizte Kondensatwanne verhindert, dass sich Eis bildet und den ordnungsgemäßen Abfluss blockiert oder die Anlage beschädigt.
  • Kondensatleitung mit Heizkabel: Ebenso wichtig ist es, das Einfrieren der Kondensatableitung selbst zu verhindern. Ein in die Leitung integriertes oder außen angebrachtes Heizkabel sorgt für einen freien Abfluss des Kondenswassers, selbst bei strengem Frost.
  • Wärmepumpen-Schutzhauben oder -Abdeckungen: Eine Wärmepumpen Abdeckung kann die Außeneinheit vor extremen Witterungseinflüssen wie starkem Wind, Schneeverwehungen oder Eisregen schützen. Es ist jedoch entscheidend, dass die Luftzirkulation nicht behindert wird, da dies die Effizienz der Wärmepumpe mindern würde.
  • Pufferspeicher: Ein Heizungspufferspeicher ist zwar kein reines Winterzubehör, spielt aber im bivalenten Betrieb eine wichtige Rolle. Er kann Wärmespitzen abpuffern, die von der Wärmepumpe oder dem zweiten Wärmeerzeuger erzeugt werden, und so die Start-Stopp-Zyklen beider Systeme reduzieren. Dies erhöht die Lebensdauer der Komponenten und trägt zur Effizienz bei.
  • Frostschutzmittel: In Heizkreisläufen, die außerhalb des frostsicheren Bereichs verlaufen oder bei denen ein längerer Ausfall der Anlage bei Minusgraden nicht ausgeschlossen werden kann, kann der Einsatz von Frostschutz für Wärmepumpen im Heizwasser sinnvoll sein. Es muss jedoch beachtet werden, dass Frostschutzmittel die spezifische Wärmekapazität des Wassers leicht reduzieren und die Viskosität erhöhen können, was die Pumpenleistung beeinflusst.

Zusätzlich zu diesen spezifischen Komponenten ist eine regelmäßige Wartung vor Beginn der Heizperiode unerlässlich. Ein Fachbetrieb überprüft dabei die Funktion aller Komponenten, einschließlich der Abtaufunktion der Wärmepumpe und der korrekten Umschaltung des bivalenten Systems. Eine intakte Dämmung der Rohrleitungen im Außenbereich ist ebenfalls entscheidend, um Wärmeverluste zu minimieren und ein Einfrieren zu verhindern.

Die Wirtschaftlichkeit des bivalenten Betriebs, insbesondere wenn der elektrische Heizstab häufig zum Einsatz kommt, lässt sich durch die Nutzung von Eigenstrom einer Photovoltaikanlage verbessern. Wenn Sie den Strom für den Heizstab selbst erzeugen und in einem Stromspeicher zwischenspeichern, können Sie die Bezugskosten für Netzstrom in den Stunden des höchsten Bedarfs reduzieren. Dies erfordert jedoch eine entsprechende Dimensionierung der PV-Anlage und des Speichers, da der Ertrag im Winter typischerweise geringer ist.

Der bivalente Betrieb stellt eine flexible und oft wirtschaftliche Lösung dar, um die Effizienz und den Komfort von Wärmepumpensystemen, insbesondere Luft-Wasser-Wärmepumpen, auch in kalten Wintern zu gewährleisten. Durch die präzise Definition des bivalenten Punktes und die sorgfältige Auswahl des zweiten Wärmeerzeugers – sei es ein Heizstab, eine bestehende Gastherme oder ein Kaminofen – lässt sich ein System schaffen, das den Wärmebedarf des Gebäudes zuverlässig deckt. Die Investition in sinnvolles Zubehör wie Kondenswannenheizungen, Schutzabdeckungen und Pufferspeicher trägt maßgeblich zur Betriebssicherheit und Effizienz bei. Eine professionelle Planung und regelmäßige Wartung sind dabei entscheidend, um das volle Potenzial eines bivalenten Wärmepumpensystems auszuschöpfen und die Heizkosten langfristig zu optimieren.