Ein Heizkörper, der oben kalt bleibt und gluckert, hat Luft. Das Entlüften selbst dauert zwei Minuten und gelingt jedem. Was regelmäßig schiefgeht, ist das Drumherum: die falsche Reihenfolge im Haus, die laufende Pumpe und vor allem der vergessene Blick aufs Manometer danach.

Diese Anleitung geht den gesamten Vorgang durch – von der Vorbereitung bis zum Nachfüllen, wenn der Druck gefallen ist.

Vorbereitung: zwei Dinge vorher erledigen

Die Pumpe abschalten. Das ist der Punkt, den die meisten überspringen. Eine laufende Umwälzpumpe hält die Luftblasen in Bewegung, sodass sie sich nicht am Entlüftungsventil sammeln können. Schalten Sie die Heizung ab oder stellen Sie sie auf Sommerbetrieb und warten Sie dreißig bis sechzig Minuten. In dieser Zeit steigt die Luft an die höchsten Punkte – genau dorthin, wo die Ventile sitzen.

Den Ausgangsdruck ablesen. Notieren Sie den Wert am Manometer, bevor Sie beginnen. Nur so wissen Sie hinterher, wie viel Druck Sie verloren haben. Der Sollwert steht in der Anlagendokumentation und liegt bei Einfamilienhäusern meist zwischen 1,2 und 2,0 bar, abhängig von der Gebäudehöhe.

Legen Sie sich bereit: einen Entlüftungsschlüssel passend zum Ventil, einen Auffangbehälter oder eine Tasse, ein saugfähiges Tuch. Komplette Heizkörper entlüften Sets enthalten beides nebst Adaptern für die verbreiteten Ventilbauarten.

Die richtige Reihenfolge im Haus

Entlüften Sie von unten nach oben und von innen nach außen – also im Keller oder Erdgeschoss beginnen, dann Etage für Etage nach oben, und auf jedem Stockwerk mit dem Heizkörper anfangen, der der Heizung am nächsten liegt.

Der Grund ist einfach: Luft steigt. Wenn Sie oben beginnen, schieben Sie beim Entlüften der unteren Körper neue Luft nach oben und müssen dort noch einmal ran. In der richtigen Reihenfolge wandert die Luft vor Ihnen her und wird zuletzt am höchstgelegenen Punkt abgelassen.

In Mehrfamilienhäusern gilt dasselbe über alle Wohnungen hinweg – weshalb eine abgestimmte Entlüftung durch den Hausmeister deutlich wirksamer ist als einzelne Mieter, die unkoordiniert vorgehen.

Der eigentliche Vorgang

  • Thermostat ganz aufdrehen. Das Ventil soll offen sein, damit sich der Körper füllen kann.
  • Behälter unter das Entlüftungsventil halten. Es sitzt oben an der dem Thermostat gegenüberliegenden Seite.
  • Ventil langsam öffnen, eine halbe bis ganze Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn. Mehr nicht – das Ventil soll sich nicht ganz herausschrauben.
  • Zischen abwarten. Solange Luft entweicht, bleibt das Ventil offen.
  • Schließen, sobald Wasser austritt, und zwar gleichmäßig ohne Blasen. Ein paar Tropfen sind normal.
  • Zum nächsten Heizkörper und dasselbe wiederholen.

Vorsicht bei der Temperatur: Wenn die Anlage kurz vorher noch lief, kann das austretende Wasser heiß sein. Deshalb erst abkühlen lassen – die Wartezeit, in der sich die Luft sammelt, dient ohnehin demselben Zweck.

Danach: der Druck

Jetzt kommt der Teil, der am häufigsten vergessen wird. Mit jeder abgelassenen Luftmenge und jedem Tropfen Wasser sinkt der Anlagendruck. Nach einer Runde durch ein Einfamilienhaus sind Verluste von 0,2 bis 0,5 bar normal.

Lesen Sie das Manometer ab und vergleichen Sie mit dem notierten Ausgangswert und dem Sollwert. Liegt der Druck darunter, muss nachgefüllt werden – und zwar bevor Sie die Heizung wieder in Betrieb nehmen. Ein Heizungsdruckprüfer ist dafür nicht zwingend nötig, erleichtert aber das Ablesen, wenn das eingebaute Manometer klein oder schlecht einsehbar ist.

Ein Hinweis zur Interpretation: Der Druck schwankt mit der Temperatur. Lesen Sie immer im kalten Zustand ab und vergleichen Sie kalte Werte mit kalten – sonst jagen Sie einem Phantom hinterher.

Richtig nachfüllen

  • Füllschlauch an den Füllhahn und an die Wasserentnahme anschließen, Schlauch vorher mit Wasser füllen, damit keine Luft eingetragen wird.
  • Aufbereitetes Wasser verwenden, soweit der Hersteller das verlangt – bei modernen Brennwertgeräten und Wärmepumpen ist das die Regel.
  • Langsam auffüllen, bis der Solldruck erreicht ist. Schnelles Befüllen reißt Luft mit und Sie beginnen von vorn.
  • Hähne schließen, Schlauch abnehmen, Druck nach einigen Minuten erneut prüfen.
  • Datum und Menge notieren.

Der letzte Punkt klingt pedantisch, ist aber die nützlichste Information überhaupt: Wer regelmäßig nachfüllen muss, hat eine Undichtigkeit oder ein defektes Ausdehnungsgefäß – und ohne Aufzeichnung merkt man das erst nach Jahren.

Wie oft ist das nötig?

Bei einer dichten, gut eingestellten Anlage genügt einmal jährlich, am besten zu Beginn der Heizsaison. Wenn Sie häufiger entlüften müssen, ist das kein Wartungsthema, sondern ein Hinweis:

  • Mehrmals pro Saison: Anlagendruck zu niedrig, über Dichtungen wird Luft angesaugt.
  • Immer dieselben Heizkörper: möglicherweise hydraulisch unterversorgt oder ungünstig angeströmt.
  • Nur bei der Fußbodenheizung: eventuell diffusionsoffene Rohre ohne Sauerstoffsperre – hier helfen automatische Entlüfter oder besser ein Mikroblasenabscheider.

Wenn der Heizkörper trotzdem kalt bleibt

Kommt nach dem Entlüften sofort Wasser und der Körper bleibt kalt, war Luft nicht die Ursache. Drei andere Möglichkeiten:

Der Ventilstift klemmt. Besonders nach dem Sommer häufig. Thermostatkopf abnehmen, den Stift vorsichtig mit einer Zange bewegen – er sollte federn.

Der Heizkörper ist hydraulisch unterversorgt. Typisch, wenn er weit von der Pumpe entfernt liegt. Hier hilft nur der hydraulische Abgleich.

Ablagerungen im Körper. Wenn er oben warm und unten kalt ist – also genau umgekehrt zum Luftbild –, liegt Schlamm am Boden.

Wer digitalen Thermostaten einsetzt, sollte zusätzlich prüfen, ob der Antrieb nach dem Batteriewechsel seine Adaptionsfahrt durchgeführt hat. Ein Thermostat, das seinen Ventilhub nicht kennt, öffnet mitunter gar nicht – und das sieht aus wie Luft im Heizkörper, ist aber keine.