Die Anlage auf dem Dach produziert mittags mehr, als das Haus verbraucht. Im Keller steht ein Gerät, das Strom in Wärme verwandelt und diese stundenlang speichern kann. Die beiden zusammenzubringen klingt trivial – ist es aber nicht, weil die Wärmepumpe nicht von selbst weiß, dass gerade Überschuss anliegt.

Dieser Beitrag beschreibt, über welche Schnittstelle die Information übermittelt wird, wohin die Wärme geht und welche Eigenverbrauchsquoten realistisch sind.

SG-Ready: die Schnittstelle und ihre vier Zustände

Nahezu jede moderne Wärmepumpe hat einen SG-Ready-Anschluss. Dahinter stecken zwei potentialfreie Kontakte, aus deren Kombination sich vier Betriebszustände ergeben:

  • Zustand 1 – Sperre. Die Wärmepumpe bleibt aus, maximal zwei Stunden am Stück. Ursprünglich für Sperrzeiten des Netzbetreibers gedacht.
  • Zustand 2 – Normalbetrieb. Die Anlage arbeitet nach ihrer eigenen Regelung. Das ist der Standardzustand.
  • Zustand 3 – Einschaltempfehlung. Die Wärmepumpe soll bevorzugt laufen, etwa mit angehobener Soll-Temperatur. Sie darf, muss aber nicht.
  • Zustand 4 – Einschaltbefehl. Die Anlage läuft definitiv an, soweit technisch möglich.

Für die Überschussnutzung ist Zustand 3 der praktisch wichtigste. Er hebt die Zieltemperaturen für Heizung und Warmwasser an, sodass die Anlage mehr Energie aufnimmt als sie momentan bräuchte – und diese Energie bleibt als Wärme im System.

Entscheidend ist, was der Hersteller aus den Zuständen macht. SG-Ready schreibt nur die Kontakte vor, nicht das Verhalten. Bei einem Gerät hebt Zustand 3 die Warmwassertemperatur um fünf Grad, bei einem anderen um zwei. Schauen Sie in der Anlagendokumentation nach, welche Überhöhungen hinterlegt sind – und ob sie sich einstellen lassen.

Wer die Kontakte schaltet

Die Kontakte schalten nicht von selbst. Dafür braucht es ein Gerät, das Erzeugung und Verbrauch misst und daraus eine Entscheidung ableitet. Zwei Wege sind üblich.

Einfache Energiemanagement-Systeme arbeiten schwellenbasiert: Übersteigt der Einspeiseüberschuss einen eingestellten Wert für eine bestimmte Zeit, schalten sie Zustand 3. Fällt er darunter, gehen sie zurück auf Normalbetrieb. Das ist robust und reicht für die meisten Haushalte.

Ein intelligentes Energiemanagementsystem geht weiter: Es kennt die Leistungsaufnahme der Wärmepumpe, berücksichtigt die Wetterprognose und plant voraus. Es kann etwa die Warmwasserbereitung bewusst auf den Mittag verschieben, weil ab elf Uhr Ertrag erwartet wird.

Zwei Einstellungen entscheiden über die Qualität: die Einschaltschwelle und die Mindestlaufzeit. Die Schwelle sollte über der Leistungsaufnahme des Verdichters liegen, sonst zieht die Anlage Netzstrom nach. Und die Mindestlaufzeit verhindert, dass eine Wolke die Wärmepumpe im Minutentakt ein- und ausschaltet – zwanzig bis dreißig Minuten sind ein brauchbarer Wert.

Wohin mit der Wärme?

Der Überschuss nützt nur, wenn die erzeugte Wärme irgendwo bleibt. Drei Speicher stehen zur Verfügung, mit sehr unterschiedlicher Eignung.

Der Warmwasserspeicher ist der beste. Er wird ohnehin gebraucht, hält die Wärme gut und verträgt eine Überhöhung um einige Grad ohne Komfortverlust. Die Warmwasserbereitung mittags statt morgens laufen zu lassen, ist die wirksamste Einzelmaßnahme – und sie kostet nichts außer einer Zeitplanänderung.

Ein thermischer Pufferspeicher für den Heizkreis kommt dazu, wenn Platz ist. Er erlaubt es, Heizwärme auf Vorrat zu produzieren. Allerdings sind die nutzbaren Temperaturspreizungen klein: Ein Pufferspeicher von 20 auf 30 Grad zu laden speichert weniger Energie, als viele erwarten.

Das Gebäude selbst ist der unterschätzte Speicher – besonders bei Fußbodenheizung. Den Estrich mittags um ein Grad über Soll zu fahren, nimmt erhebliche Energiemengen auf und gibt sie über den Abend wieder ab. Bei Heizkörpern funktioniert das kaum, weil die Masse fehlt.

Wärme oder Batterie: was zuerst?

Wer eine Photovoltaikanlage mit Stromspeicher betreibt, steht vor einer Prioritätsfrage. Die Antwort fällt meist zugunsten der Batterie aus.

Der Grund ist die Wertigkeit. Strom im Batteriespeicher lässt sich abends für jeden Zweck verwenden – Licht, Küche, Fernseher – und mit rund 90 Prozent Wirkungsgrad zurückholen. Wärme im Speicher taugt nur zum Heizen und Duschen, und wenn sie nicht gebraucht wird, verfällt sie über die Speicherverluste.

Die sinnvolle Reihenfolge lautet deshalb: erst Hausverbrauch decken, dann Batterie laden, dann Wärme erzeugen, dann einspeisen. Eine Ausnahme gilt im Sommer: Ist die Batterie um elf Uhr voll und der Rest des Tages liefert weiter Überschuss, ist die Warmwasserbereitung die bessere Verwendung als die Einspeisung.

Realistische Erwartungen

Hier gehört die Winterrechnung hin, die gern übersprungen wird. Der Heizbedarf ist im Dezember und Januar am höchsten, der Solarertrag in genau diesen Monaten am niedrigsten – in Mitteleuropa liefert eine Anlage im Dezember etwa ein Zehntel des Juni-Ertrags.

Daraus folgt: Der Anteil des Wärmepumpenstroms, der aus eigener Erzeugung stammt, liegt übers Jahr typischerweise bei 20 bis 35 Prozent. Ohne Batterie eher am unteren Ende, mit großer Anlage und Speicher am oberen. Werte von 60 oder 70 Prozent, wie sie in Werbeunterlagen vorkommen, beziehen sich meist auf den Gesamthaushalt, nicht auf die Wärmepumpe allein.

Das ist kein Argument gegen die Kombination – die Übergangszeit ist der Bereich, in dem sie wirklich trägt. März, April, Oktober: moderater Heizbedarf, ordentlicher Ertrag, und die Wärmepumpe arbeitet bei milden Außentemperaturen ohnehin am effizientesten. Dort lässt sich ein großer Teil des Heizstroms selbst erzeugen.

Was Sie prüfen sollten

  • SG-Ready vorhanden und angeschlossen? Viele Anlagen haben die Klemmen, aber es liegt kein Kabel darauf.
  • Welche Überhöhung löst Zustand 3 aus? Steht in der Anlagendokumentation; oft einstellbar.
  • Einschaltschwelle über der Verdichterleistung? Sonst wird Netzstrom nachgezogen.
  • Mindestlaufzeit gesetzt? Gegen Takten bei wechselnder Bewölkung.
  • Warmwasserzeit auf die Mittagsstunden verschoben? Die billigste wirksame Maßnahme überhaupt.

Der letzte Punkt lohnt sich auch ohne jede Steuerungstechnik: Wer die Warmwasserbereitung schlicht von sechs Uhr morgens auf zwölf Uhr mittags legt, nutzt im Sommerhalbjahr einen erheblichen Teil des Überschusses – allein über die Zeitschaltuhr der Wärmepumpe.