Bei einer Wohnung, in der man täglich ist, lässt sich die Heizung auch am Thermostat bedienen. Der Fernzugriff ist dort Komfort. Bei einem Objekt, das man alle paar Wochen sieht, ist er etwas anderes: Er ersetzt die Anwesenheit. Ob im Ferienhaus die Leitungen einfrieren oder ob die Wohnung bei Ankunft warm ist, entscheidet sich dann aus der Entfernung.

Dieser Beitrag behandelt den Fernzugriff als eigentlichen Zweck – mit allem, was daran hängt: Überwachung, Vorheizen, und der Frage, was passiert, wenn die Verbindung abreißt.

Frostschutz: die eigentliche Aufgabe

Ein Wasserrohrbruch durch Frost ist einer der teuersten Gebäudeschäden überhaupt, und er passiert typischerweise dann, wenn niemand da ist. Die klassische Absicherung besteht darin, die Heizung durchlaufen zu lassen – was über einen ganzen Winter erhebliche Kosten verursacht, obwohl das Haus leer steht.

Der Fernzugriff erlaubt den dritten Weg: eine niedrige Grundtemperatur von zehn bis zwölf Grad, überwacht aus der Ferne. Das reicht, um Frost sicher fernzuhalten, kostet aber nur einen Bruchteil der Vollbeheizung.

Entscheidend ist dabei nicht die Steuerung, sondern die Alarmierung. Smart Thermostate mit Benachrichtigungsfunktion melden, wenn die Raumtemperatur unter einen gesetzten Wert fällt – und genau diese Meldung ist der Punkt, an dem der Fernzugriff seinen Wert zeigt. Eine Heizung, die ausgefallen ist, erkennen Sie sonst erst bei der nächsten Anreise.

Stellen Sie die Alarmschwelle bewusst über die Frostgrenze, etwa auf acht Grad. Dann bleibt Zeit zu reagieren, bevor es kritisch wird – ein Nachbar mit Schlüssel ist in dieser Konstellation genauso wichtig wie die Technik.

Vorheizen vor der Anreise

Der zweite Nutzen ist der naheliegende: Das Objekt soll warm sein, wenn Sie eintreffen, aber nicht drei Tage vorher.

Die Rechnung fällt bei einem ausgekühlten Gebäude anders aus als im Alltag. Ein Haus bei zehn Grad braucht nicht eine Stunde auf Komforttemperatur, sondern je nach Bauart und Heizsystem sechs bis vierundzwanzig. Nicht nur die Luft muss erwärmt werden, sondern auch Wände, Möbel und Estrich – und solange diese Massen kühl sind, fühlt sich der Raum trotz warmer Luft unbehaglich an.

Praktische Anhaltspunkte: Bei Heizkörpern in einem gedämmten Haus rechnen Sie mit sechs bis acht Stunden von zwölf auf zwanzig Grad. Bei Fußbodenheizung mit Estrich eher mit achtzehn bis vierundzwanzig. In einem ungedämmten Altbau kann es ein voller Tag und mehr sein.

Smarte Heizkörperthermostate helfen hier zusätzlich, weil Sie raumweise vorgehen können: Schlafzimmer und Bad hochfahren, den Rest später nachziehen. Das verkürzt die Zeit bis zur Bewohnbarkeit erheblich.

Was bei Internetausfall passiert

Dies ist der Punkt, an dem die meisten Konzepte brechen – und der, über den die Hersteller am wenigsten schreiben.

Unterscheiden Sie zwei Fälle. Fällt nur die Verbindung nach außen aus, läuft das lokale System in der Regel weiter: Das Thermostat kennt seinen Zeitplan und arbeitet ihn ab. Sie können nur nicht mehr eingreifen und bekommen keine Meldungen mehr. Fällt dagegen die Stromversorgung aus, steht alles – und nach der Rückkehr des Stroms stellt sich die Frage, ob die Geräte selbsttätig wieder hochfahren und ihre Einstellungen behalten.

Drei Dinge sollten Sie deshalb vor der ersten längeren Abwesenheit prüfen:

  • Verhalten nach Stromausfall. Ziehen Sie Router und Bridge für zehn Minuten vom Netz und sehen Sie nach, ob alles von selbst zurückkommt – inklusive Zeitplan.
  • Lokaler Weiterbetrieb. Trennen Sie nur die Internetverbindung und prüfen Sie, ob die Thermostate ihren Plan weiter abarbeiten. Reine Cloud-Systeme ohne lokale Logik fallen hier auf eine Notfalltemperatur zurück.
  • Benachrichtigung bei Verbindungsverlust. Meldet das System, wenn es offline geht? Ein Objekt, das sich seit vier Tagen nicht meldet, ist genauso ein Alarm wie eine zu niedrige Temperatur.

Geräte mit lokaler WLAN-Funktionalität und Zeitplan im Gerät selbst sind für diesen Einsatzzweck klar im Vorteil gegenüber Lösungen, bei denen jede Schaltentscheidung über einen Server läuft.

Mobilfunk als Rückfallebene

Viele Ferienobjekte haben gar keinen Festnetzanschluss, oder er lohnt sich für wenige Wochen Nutzung nicht. Hier ist ein LTE-Router mit Prepaid-Datentarif die übliche Lösung – der Datenbedarf einer Heizungssteuerung liegt bei wenigen Megabyte im Monat, dafür genügen die kleinsten Tarife.

Zwei Hinweise: Achten Sie auf Prepaid-Karten, die auch ohne regelmäßige Nutzung gültig bleiben, sonst steht die Verbindung im Januar still. Und versorgen Sie den Router über eine schaltbare Steckdose, die sich notfalls separat neu starten lässt – ein hängender Router ist die häufigste Ursache dafür, dass ein Objekt nicht mehr erreichbar ist.

Für die Anbindung an Smart Home Systemen gilt dabei dieselbe Vorsicht wie oben: Je mehr Funktionen von der Internetverbindung abhängen, desto mehr fällt bei deren Ausfall weg.

Die Einstellung, die sich bewährt hat

Für ein Objekt, das unregelmäßig genutzt wird, hat sich dieses Schema bewährt:

  • Grundtemperatur 10 bis 12 Grad im ganzen Objekt, dauerhaft.
  • Alarmschwelle bei 8 Grad, Meldung aufs Telefon.
  • Verbindungsalarm aktiviert, falls das System ihn anbietet.
  • Vorheizen manuell starten, mit der für das Objekt ermittelten Vorlaufzeit – nicht automatisch nach Kalender, weil Anreisen sich verschieben.
  • Nach der Abreise Rückfall in die Grundtemperatur, am besten automatisch nach einer festen Zeit, damit es niemand vergisst.

Gute Smart Home Heizungssysteme bilden all das in einem einzigen Profil ab, das man zweimal im Jahr anfasst. Wichtiger als der Funktionsumfang ist dabei die Zuverlässigkeit: Für ein leerstehendes Haus im Winter zählt nicht, wie viele Automationen möglich sind, sondern ob die Meldung ankommt, wenn etwas nicht stimmt.