Auf jedem neuen Heizgerät klebt ein Energielabel mit einer bunten Skala und einem Buchstaben. Es sieht aus wie das vom Kühlschrank und wird auch so gelesen: A ist gut, D ist schlecht. Bei Heizungen führt das regelmäßig in die Irre – weil die Skala hier etwas anderes misst und weil der Buchstabe auf dem Karton nicht der ist, der später zählt.

Dieser Beitrag erklärt, was hinter den Klassen steckt, wie das Verbundlabel zustande kommt und welche Angabe Sie wirklich vergleichen sollten.

Was das Label misst

Grundlage ist die europäische ErP-Richtlinie. Sie verlangt für Raumheizgeräte und Warmwasserbereiter eine Kennzeichnung mit zwei getrennten Angaben: eine Klasse für die Raumheizung und eine für die Warmwasserbereitung. Beide stehen auf demselben Etikett, meinen aber Unterschiedliches.

Hinter der Klasse steht die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz, abgekürzt ηs. Sie beschreibt, wie viel Nutzwärme aus der eingesetzten Primärenergie wird – über eine Heizperiode gerechnet, nicht im Bestpunkt.

Entscheidend ist der Umrechnungsfaktor: Für Strom rechnet die Richtlinie mit 2,5, das heißt, eine Kilowattstunde Strom zählt wie 2,5 Kilowattstunden Primärenergie. Dadurch lassen sich strombetriebene und brennstoffbetriebene Geräte überhaupt erst auf derselben Skala darstellen – und dadurch landen Wärmepumpen trotzdem weit vorn.

Die Spreizung ist größer, als die Buchstaben vermuten lassen

Beim Kühlschrank liegen zwischen zwei Klassen ein paar Prozent. Bei Heizgeräten liegen Welten dazwischen – die Skala reicht von D bis A+++ und bildet Effizienzwerte von unter 30 bis über 150 Prozent ab.

Der Sprung von D auf A+++ bedeutet also nicht ein bisschen besser, sondern einen grundlegend anderen Energieeinsatz für dieselbe Wärme.

Die Falle: 35 oder 55 Grad

Hier liegt der Punkt, an dem die meisten Vergleiche scheitern. Bei Wärmepumpen wird die Effizienzklasse für zwei Auslegungsfälle angegeben: für 35 Grad Vorlauf, also Flächenheizung, und für 55 Grad, also Heizkörper.

Dieselbe Wärmepumpe kann bei 35 Grad A+++ und bei 55 Grad A++ erreichen. Auf dem Prospekt steht erfahrungsgemäß der bessere Wert – und wer in einem Altbau mit Heizkörpern plant, vergleicht dann Zahlen, die für sein Gebäude gar nicht gelten.

Praktische Konsequenz: Prüfen Sie bei jedem Wärmepumpenangebot, auf welche Vorlauftemperatur sich die genannte Klasse bezieht, und ob das zu Ihren Heizflächen passt. Bei Kesseln entfällt diese Unterscheidung, weil deren Wirkungsgrad kaum von der Vorlauftemperatur abhängt – mit Ausnahme der Brennwertnutzung, die niedrige Rücklauftemperaturen braucht.

Das Verbundlabel: wenn aus A+ plötzlich A+++ wird

Bei Kombinationen – Kessel plus Solarthermie, Wärmepumpe plus Speicher plus Regelung – gibt es neben den Einzellabels ein Verbundlabel für das Gesamtsystem. Es wird vom Installateur erstellt, nicht vom Hersteller.

Dieses Label fällt systematisch besser aus als die Einzelteile, weil ergänzende Komponenten Bonuspunkte bringen. Solarthermie hebt die Klasse spürbar, ebenso ein Temperaturregler höherer Klasse. Aus einem A-Kessel mit Solaranlage und guter Regelung wird so leicht ein A+++-Verbund.

Das ist nicht falsch gerechnet, aber es ist eine andere Aussage. Das Verbundlabel beschreibt das Zusammenspiel unter Normbedingungen, nicht die Qualität des Wärmeerzeugers. Zwei Kaufhinweise folgen daraus: Lassen Sie sich immer auch das Einzellabel des Erzeugers zeigen. Und misstrauen Sie Angeboten, die nur das Verbundlabel nennen.

Was die Klasse nicht aussagt

Vier Dinge stehen nicht auf dem Etikett und entscheiden trotzdem mit:

Die Betriebskosten. Die Klasse bewertet Primärenergie, nicht Geld. Ob die effizientere Anlage auch die günstigere ist, hängt vom Verhältnis zwischen Strom- und Gaspreis ab – und das ändert sich.

Die tatsächliche Arbeitszahl im Gebäude. Das Label beruht auf Normbedingungen. Was Ihre Anlage leistet, hängt von Auslegung, hydraulischem Abgleich und Vorlauftemperatur ab. Eine schlecht eingestellte A+++-Wärmepumpe schlägt eine gut eingestellte A+-Anlage nicht zwangsläufig.

Das Taktverhalten. Eine überdimensionierte Anlage taktet, verschleißt schneller und erreicht ihre Labelwerte nicht. Die Klasse sagt dazu nichts.

Schall, Platzbedarf, Wartungsaufwand. Alles kaufentscheidend, nichts davon im Buchstaben enthalten.

Die Regelung hat eine eigene Klasse

Wenig bekannt: Auch Temperaturregler werden klassifiziert, von Klasse I bis VIII. Je höher die Klasse, desto mehr Bonus bringt der Regler ins Verbundlabel – ein einfacher Ein-Aus-Raumthermostat liegt bei I, ein witterungsgeführter Regler mit Raumtemperaturaufschaltung deutlich höher.

Das ist mehr als eine Formalie. Smarte Thermostate mit Einzelraumregelung und Anwesenheitserkennung fallen in die oberen Klassen, weil sie nachweislich Energie sparen. Wer bei einer Modernisierung ohnehin auf smarten Thermostaten setzt, verbessert damit also auch die ausgewiesene Systemeffizienz – und bei einer Gebäudeautomation, die mehrere Gewerke zusammenführt, gilt das umso mehr.

Beim Angebotsvergleich lohnt deshalb die Frage, welche Reglerklasse zugrunde gelegt wurde. Zwei Angebote mit demselben Kessel können sich im Verbundlabel allein über die Regelung unterscheiden.

So vergleichen Sie richtig

  • Einzellabel des Wärmeerzeugers verlangen, nicht nur das Verbundlabel.
  • Bei Wärmepumpen die Auslegungstemperatur prüfen – 35 oder 55 Grad – und mit Ihren Heizflächen abgleichen.
  • Den ηs-Wert in Prozent vergleichen, nicht den Buchstaben. Innerhalb einer Klasse liegen teils zehn Prozentpunkte.
  • Nach der Reglerklasse fragen, wenn ein Verbundlabel im Angebot steht.
  • Die Heizlast dagegenhalten. Das effizienteste Gerät nützt nichts, wenn es zu groß ist und taktet.

Mit diesen fünf Punkten wird aus dem bunten Etikett eine brauchbare Vergleichsgrundlage. Ohne sie vergleicht man Buchstaben, die unter verschiedenen Annahmen entstanden sind.